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Museum Burg Brome – altes Handwerk zum Anfassen

  • Datum: 27. Juni 2019
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Außenansicht der Burg Brome (Bildrechte: Beate Ziehres)
Foto von Beate Ziehres
Beate Ziehres
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Dr. Ulrike Wendt-Sellin hat ihr Büro in luftiger Höhe im Turm der Burg Brome. In diesem Gebäude gaben sich über die Jahrhunderte hinweg Herzöge und Grafen die Türklinken in die Hand. Ein passender Arbeitsplatz also für eine neugierige Historikerin und Museumsleiterin. „Hier gibt es extremen Forschungsbedarf“, sagt Ulrike Wendt-Sellin.

Man sieht Museumsleiterin Ulrike Wendt-Sellin in der Schusterwerkstatt des Museums Burg Brome
Museumsleiterin Ulrike Wendt-Sellin in der Schusterwerkstatt des Museums Burg Brome (Foto: Beate Ziehres)

Mein Besuch im Museum Burg Brome gilt heute in erster Linie den einfachen Leuten. Den Handwerkern, die mit ihrem Können das Leben auf dem Land angenehmer gestalteten. Und zwar auf eine nachhaltige Art und Weise, die es wert wäre, wieder mehr Beachtung zu finden. Sie schneiderten zeitlose Mode aus natürlichen Materialien, fertigten Tragekörbe und Mollen aus Holz und Stiefel aus Leder. Diese Handwerkserzeugnisse leisteten über Jahrzehnte treue Dienste.

Gegen den „Ausverkauf“ des alten Handwerks

Den Menschen in Brome und dem vorausschauenden Denken von Fritz Boldhaus ist es zu verdanken, dass die unterschiedlichsten Werkstätten und Maschinen aus früheren Zeiten heute in der Burg zu sehen sind. Anfang der 1970er-Jahre rief der Heimatforscher die Leute auf, handwerkliche Erzeugnisse und Werkzeuge zusammenzutragen. Mit dem damaligen Burgherren, dem Grafen von der Schulenburg, einigte er sich darauf, dass die Sammlung hier präsentiert werden darf.

Mit viel Herzblut, Engagement und eigenen finanziellen Mitteln sanierten die Bromer um Fritz Boldhaus die Burg damals das erste Mal, wie Museumsleiterin Wendt-Sellin berichtet. Erst später übernahm der Landkreis Gifhorn den Betrieb der Liegenschaft. Weil eine Außenwand umzukippen drohte, kamen in den Jahren 2009 bis 2014 Profis zum Einsatz. Auch das Fundament des historischen Gemäuers wurde im Zuge dieser Arbeiten angefasst. Heute sieht die Burg aus, als könnte sie die nächsten 900 Jahre locker überstehen.

Gemeinsam mit der Museumsleiterin unternehme ich einen Rundgang durch die vollständig eingerichteten Werkstätten in der Burg. Er startet mit Einblicken in das Leben des Tapezierers, Sattlers und Polsterers Heinrich Meyer. Der Bildungsweg, die Arbeit und die Stellung eines Handwerkers auf dem Land werden hier anhand von Schautafeln und Dokumenten beleuchtet.

Altes Handwerk erleben und ausprobieren

Dann geht es in die Tischlerwerkstatt, in der regelmäßig tatsächlich die Späne fliegen. Bernhard Kuschel tischlert hier öfter vor den Augen der Museumsbesucher. Auch nebenan in der Schneiderwerkstatt rattern die Nähmaschinen unterschiedlicher Bauart regelmäßig. Die Schneiderin zeigt auch jungem Publikum, wie Hosen und T-Shirts hergestellt werden. Dabei bedient sich die Frau ausschließlich ihrer Muskelkraft. „Maschinen mit Stecker kommen nicht in die Ausstellung“, erklärt Ulrike Wendt-Sellin.

Die Schusterwerkstatt ist das Revier von Willi Mosel aus Brome, der hier ebenfalls regelmäßig sein Handwerk ausübt. Mosel ist Beiratsmitglied des Museums- und Heimatvereins Brome e.V., auf den die Präsentation selten gewordener Handwerksberufe zurückgeht. Wie Böttcher, Stellmacher, Mollenhauer, Kiepenflechter und Pantinenmacher arbeiten, wird im Museum anschaulich gezeigt. In der Seilerei ist regelmäßig Gerhard Donath aus Salzwedel anzutreffen. Der 94-Jährige erklärt den Besuchern anhand der historischen Maschinen, wie Seile hergestellt werden.

Landleben in der Küche und der Schmiede

Vitrinen sucht man in den alten Werkstätten vergebens. Hier darf der Besucher fühlen, anfassen und – unter fachkundiger Anleitung – selbst ausprobieren. Wussten Sie, dass man Handwerk sogar riechen kann? Alte Schmieden gehen mir besonders in die Nase. In Brome liegt die Schmiede neben der voll funktionsfähigen und historisch ausgestatteten Burgküche – eine Anordnung, die aus bautechnischer Sicht und auch sonst durchaus Sinn macht. Wie die Küche ist die Schmiede regelmäßig in Betrieb und der Geruch von heißem Metall hängt unter dem Gewölbe.

"Zeitsprung - Brome anno 1626" am 17. & 18.8.2019

Zeitsprung erleben – so war das damals im 30-jährigen Krieg

Richtig Betrieb herrscht auf dem Gelände der Burg Brome am 17. und 18. August 2019: Unter dem Motto „Zeitsprung – Brome anno 1626“ will Ulrike Wendt-Sellin mit den Besuchern eine Reise in die Vergangenheit unternehmen. Auf der Burgwiese entsteht ein Feldlager aus dem 30-jährigen Krieg. Die Gäste treffen auf Söldner, Trossfrauen und Trommeljungen und erleben den harten Alltag im Feldlager hautnah.

Die authentisch gekleideten Darsteller, die aus fünf europäischen Ländern nach Brome kommen, erklären auch historische Lang- und Schusswaffen und geben den einen oder anderen Schuss ab. Ulrike Wendt-Sellin rät deshalb, insbesondere kleine Kinder während der Vorführungen mit einem Gehörschutz auszustatten. Und: Um in der Epoche des 30-jährigen Kriegs zu bleiben, sind Besucher in mittelalterlichen Gewändern nicht zugelassen.

Handwerker zeigen in den Werkstätten ihr Können

In der Burg erwachen an diesen beiden Tagen die Werkstätten zum Leben: Weberinnen und Spinnerinnen treten ebenso in Aktion wie Drechsler und Schmiede. Ich will von der Museumsleiterin wissen, warum in diesem Jahr der 30-jährige Krieg thematisiert wird. „Der 30-jährige Krieg hat im Jahr 1618, also vor 401 Jahren, angefangen. Und die Epoche ist in den Lehrplänen der Schulen unterrepräsentiert“, erklärt Ulrike Wendt-Sellin.

Sie schlägt mit der größten Veranstaltung dieses Jahres den Bogen zu einer der verlustreichsten Schlachten auf dem Gebiet des heutigen Landes Niedersachsen: der Schlacht bei Lutter am Barenberge. Drei Tagesmärsche von Brome entfernt standen sich am 17. August 1626 (nach julianischem Kalender) 40.000 Mann gegenüber. Hier https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Lutter lesen Sie, wer gegen wen mit welchem Ergebnis kämpfte.

Lebendige Geschichte im Museum Burg Brome

Brome liegt zwar abseits der großen Heerwege, doch auch hier dürften Landsknechte auf der Suche nach Sold und Nahrung vorbeigekommen sein. Die Burg sah damals dem Gebäude von heute schon relativ ähnlich. Im 16. Jahrhundert hatte ein Graf von Bartensleben die etwas heruntergekommene Burg im Stil der Spätrenaissance wiederaufgebaut. Architektonische Zeugen hierfür sind die schrägen Fenster im Treppenturm. Die erste urkundliche Erwähnung der Burg geht auf den Erbteilungsvertrag von Heinrich den Löwen zurück. Doch viele Geschehnisse der vergangenen neun Jahrhunderte liegen im Dunkeln.

Blick auf schräge Fenster im Turm. Sie wurdne in der Spätrenaissance eingebaut.
Schräge Fenster im Turm zeigen, dass sie in der Spätrenaissance eingebaut wurden. (Foto: Beate Ziehres)

Mit der wechselhaften Burggeschichte befasst sich übrigens ein Teil der Ausstellung im Museum Burg Brome. Einige Relikte aus der Vergangenheit sind auch auf dem Gelände der Burg erhalten geblieben. Dazu zählt der Kellerberg links neben dem Zugang zum Hof. Er zeugt davon, dass die Burg der Grenzsicherung zwischen welfischem Territorium und der Mark Brandenburg diente. Die Reste einer Brauerei, die im Untergeschoss unter einem Glasboden zu sehen sind, stammen aus der Zeit, in der die Burg Mittelpunkt eines Gutsbetriebs war. Heute zählt das Museum Burg Brome zu den 100 zeitORTEn in der Region Braunschweig-Wolfsburg.

Öffnungszeiten des Museums

Dienstag bis Samstag 14 bis 17 Uhr
Sonntag und Feiertage 11 bis 17 Uhr

Das Museum Burg Brome gehört zu den Museen im Landkreis Gifhorn. Für besondere Veranstaltungen - auch im Museum Schloss Gifhorn, EMMA im Kavalierhaus oder Schulmuseum Steinhorst - empfiehlt sich ein Blick in den Veranstaltungskalender der Museen.

 

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Museum Burg Brome

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38465 Brome