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Lichtparcours Braunschweig: Auseinandersetzung mit Licht und Wasser an 19 Orten

  • Datum: 28. Juni 2020
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Dr. Ulf Hilger an einem Objekt des Lichtparcours 2020 (Bildrechte: Beate Ziehres)
Foto von Beate Ziehres
Beate Ziehres
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Halb im Okerumflutgraben versunken liegt nahe der Sidonienbrücke Ulf Hilgers Lieblingskunstwerk. Der VW-Golf II hat schon Anrufe besorgter Bürger bei der Polizei verursacht. Doch in den Abendstunden dürfte schnell klar werden, dass es sich nicht um einen Unfall, sondern um Kunst handelt. Ab 18 Uhr dröhnen dumpfe Techno-Rhythmen aus dem bunt leuchtenden Innenraum des Autos.

Aber: Die Entscheidung fällt Hilger nicht leicht. Wir stehen auf der denkmalgeschützten Steintorbrücke in der Sonne und der Projektleiter für den Lichtparcours denkt über meine Frage nach seinem Lieblingsobjekt nach. „Schwierig“, sagt er. „Dieses Jahr sind wieder interessante und spektakuläre Werke dabei.“

Vor allem ist Dr. Ulf Hilger froh und erleichtert darüber, dass der Jubiläumslichtparcours coronabedingt überhaupt stattfinden kann. Die vergangenen Wochen und Monate waren geprägt von Hoffen und Bangen. „Es ist toll, dass die Mühe nicht umsonst war“, freut er sich und erklärt, dass die Vorbereitungsarbeiten bereits seit zwei Jahren laufen.

Treffen mit Dr. Ulf Hilger an einem Objekt des Lichtparcours 2020 an der Steintorbrücke
Treffen mit Dr. Ulf Hilger an einem Objekt des Lichtparcours 2020 an der Steintorbrücke (Foto: Beate Ziehres)

Corona-Sicherheitskonzept umgesetzt

So entwickelten die Verantwortlichen bei der Stadt Braunschweig ein entsprechendes Sicherheitskonzept, das vom städtischen Krisenstab genehmigt wurde. Im Wesentlichen erinnern beim nunmehr 5. Lichtparcours Schilder an allen Kunstwerken an die Abstandsregeln. Ein Sicherheitsdienst kümmert sich darum, dass bei den einzelnen Stationen des Parcours die geltenden Verhaltensregeln eingehalten werden.

Wir steigen nun am westlichen Ende der Steintorbrücke die Treppe hinunter, um unter die Brücke zu gelangen. Hier befand sich früher eine öffentliche Bedürfnisanstalt – vornehm ausgedrückt. Durch die jetzt komplett verglaste Tür sehen wir auf eine Szenerie, die eine hektisch aufgelöste Party vermuten lassen könnte.
 

Vergessene Orte wiederentdecken auf dem Lichtparcours

Die Licht- und Toninstallation ist nur ein Teil des Werkes von Paul Schwer. Ein großes, pinkfarbenes Kunststoffsegel auf der Brücke nimmt die architektonische Besonderheit des Bauwerks auf: ein Band aus schmalen Fensteröffnungen. „Die Wärterin“ ist als Hommage an die Wärterin der Toilettenanlage zu verstehen. „Die Braunschweiger erinnern sich teilweise noch an die letzte Toilettenwärterin“, weiß Ulf Hilger.

Zu sehen ist eine Installation von Paul Schwers: „Die Wärterin“ an der Steintorbrücke.
Paul Schwers „Die Wärterin“ an der Steintorbrücke. (Foto: Beate Ziehres)

„Der Lichtparcours ist auch insofern schön, dass er den Menschen ermöglicht, Orte wiederzuentdecken, die aus dem Fokus gerückt sind. Auch wenn es Unorte wie dieser hier sind“, sagt er. Bei der Vielzahl der Orte, die nun Standort für Kunstwerke geworden sind, bleiben Überraschungen nicht aus: „Von manchen ahnt man gar nicht, wie beliebt sie sind“, schmunzelt Hilger.

Die Orte wurden allesamt schon vor mehr als einem Jahr gemeinsam mit den Künstlern ausgesucht. Denn häufig beziehen sich die Arbeiten – wie beispielsweise „Die Wärterin“ – auf ihren Standort.

Überschwemmungsszenario oder Wasserstraße? Zu sehen ist die Installation „Hellsinki“ von FORT & Anna Jandt
Überschwemmungsszenario oder Wasserstraße? „Hellsinki“ von FORT & Anna Jandt (Foto: © Stadt Braunschweig/Daniela Nielsen)

Damit ist auch meine nächste Frage schon fast beantwortet: Wenn der Lichtparcours am 9. Oktober zu Ende geht, verschwinden viele der Kunstwerke nicht nur aus dem Stadtbild. „Arbeiten, die zu spezifisch sind für eine Weiternutzung, werden zum Teil zerlegt und einzelne Komponenten anderweitig genutzt. Das obliegt in jedem Fall den Künstlern. ‚Die Wärterin’ kann man sich beispielsweise an einem anderen Ort nicht vorstellen. Manche Werke sind auch nur für eine temporäre Nutzung geeignet, weil sie  nicht winterfest sind“, sagt Ulf Hilger.
 

Dauerhafte Kunst am Wasser ergänzt neue Werke

Aufmerksame Beobachter wissen aber, dass es auch dauerhafte Kunstwerke gibt. Vier Stück sind es inzwischen geworden. Denn die Stadt Braunschweig hat bisher von jedem Lichtparcours eine Arbeit angekauft, die nun im öffentlichen Raum zu sehen sind. Für den diesjährigen Lichtparcours wurden diese Werke aufgearbeitet.

Besonders beliebt unter den dauerhaften Installationen ist Yvonne Goulbiers „Evokation in Rot“. Unter der Jasperalleebrücke erzeugen rotleuchtende Blüten eine magische und romantische Lichtzone.

Dauerhafte Installation „Evokation in Rot“ von Yvonne Goulbier unter der Jasperalleebrücke.
Dauerhafte Installation „Evokation in Rot“ von Yvonne Goulbier unter der Jasperalleebrücke. (Foto: Jürgen Brinkmann)

Weil die Kombination von Licht und Wasser nicht zu toppen ist, ist der Lichtparcours in diesem Jahr – genau wie beim ersten Mal im Jahr 2000 – wieder komplett ans Wasser zurückgekehrt. Auf sieben Kilometern zieht sich der Lichtparcours 2020 am Wasser entlang und ist so prädestiniert für eine romantische Bootsfahrt.

Kunst mit Anspruch statt beleuchteter Fassaden

Doch kitschige Momente zu schaffen ist nicht die Intention der Organisatoren im Braunschweiger Rathaus. „Wir verstehen den Lichtparcours als intensive Auseinandersetzung mit Licht und Wasser als die beiden tragenden Elemente“, verweist Ulf Hilger auf den künstlerischen Anspruch und reißt mich damit unsanft aus meinen Träumen von einer lauen Sommernacht auf der Oker. 

Zu Recht, denn spätestens an der Sidonienbrücke mit dem kunstvoll im Wasser gelandeten Golf wird es unromantisch. Man macht sich schon Gedanken. Was ist hier passiert? Wohin ist der Fahrer entschwunden? Die Techniker fragen sich natürlich, wie das Auto in dieser unvorteilhaften Position festgehalten wird. Und was will der Künstler, Bjørn Melhus, uns überhaupt mit „The Beat Goes On“ sagen?

Instalation „The Beat Goes On“: Ein halb versunkener VW-Golf.
„The Beat Goes On“ im halb versunkenen Golf. (Foto: © Stadt Braunschweig/Daniela Nielsen)

Auf der Webseite des Lichtparcours kann ich nachlesen, was es mit dem Auto auf sich hat. Dass Bjørn Melhus hier einen Golf II versenkt hat, ist kein Zufall. Er wendet sich an die „Generation Golf“, zu der nicht nur Melhus selbst, sondern auch Ulf Hilgers und ich zählen. Als mehrheitlich unkritische Ego-Generation, konsumierend und  genießend, hat der Autor Florian Illies die Generation der um 1970 herum Geborenen beschrieben. Bjørn Melhus wirft mit dieser Arbeit Fragen nach der Übernahme politischer Verantwortung auf. Ich verstehe sie als Mahnmal: Der Wagen liegt im Graben, doch die Party geht von diesem Umstand unbeeindruckt weiter. Ob es da ein Zufall ist, dass am Heck des Autos ein Star-Wars-Aufkleber wünscht „May the force be with you“?

Kulturelles Begleitprogramm zum Lichtparcours 2020

Rund um den Lichtparcours rankt sich ein Begleitprogramm mit rund 70 Einzelveranstaltungen. Dazu zählen außergewöhnliche Führungen, Ausstellungen, Lesungen, Workshops, Konzerte, Performance, Theater und sogar Yogasessions bei unterschiedlichen Kunstwerken. Alle Veranstaltungen sind auf dieser Webseite https://www.braunschweig.de/lichtparcours2020/veranstaltungen/ veröffentlicht. Hier finden sich auch Hinweise darauf, ob ein Angebot eventuell coronabedingt nicht wie geplant stattfinden kann. Außerdem kann an dieser Stelle das Programmheft heruntergeladen werden.

In gedruckter Form ist das Programmheft an vielen öffentlichen Stellen, zum Beispiel in der Touristinfo, Kleine Burg 14, erhältlich. Es enthält auch Kurzinformationen zu den Kunstwerken und einen Lageplan.

Führungen zu Fuß, auf dem Rad und auf dem Wasser

Das Dezernat für Kultur und Wissenschaft der Stadt Braunschweig als Veranstalter des Lichtparcours bietet viele Führungen an. Aktuell sind unter anderem folgende Führungen buchbar:

Lichtparcours zu Fuß – Tour West:                              

Termine von 19. Juni bis 9. Oktober, freitags um
21.30 Uhr (19. Juni bis 14. Juli)
21 Uhr (15. Juli bis 15. August)
20.30 Uhr (21. August bis 31. August)
20 Uhr (1. September bis 19. September)
19.30 Uhr (20. September bis 9. Oktober)
Treffpunkt: Rosentalbrücke, Inselwall

Lichtparcours zu Fuß – Tour Ost:                  

Termine von 20. Juni bis 9. Oktober, samstags um
21.30 Uhr (20. Juni bis 14. Juli)
21 Uhr (15. Juli bis 15. August)
20.30 Uhr (21. August bis 31. August)
20 Uhr (1. September bis 19. September)
19.30 Uhr (20. September bis 9. Oktober)
Treffpunkt: TU Braunschweig, Brücke Mühlenpfordtstraße

Lichtparcours mit dem Fahrrad:     

Termine von 19. Juni bis 9. Oktober, freitags um
21.30 Uhr (19. Juni bis 14. Juli)
21 Uhr (15. Juli bis 15. August)
20.30 Uhr (21. August bis 31. August)
20 Uhr (1. September bis 19. September)
19.30 Uhr (20. September bis 9. Oktober)
Treffpunkt: Steigenberger Parkhotel
Dauer: etwa 2 Stunden
Kosten:  11,50 € pro Person oder 105 € pro Gruppe bis 25 Personen
Veranstalter: Braunschweig Stadtmarketing GmbH

Kinderführung – Schatzsuche:

Termine am 20. Juni, 4. Juli, 18. Juli, 1. August, 22. August, 19. September, jeweils um 20 Uhr
Treffpunkt: Kunsthaus BBK, Humboldtstraße 34
Dauer: etwa 1,5 Stunden
Kosten: 9,50 € pro Person
Veranstalter: Stadt Braunschweig, Dezernat für Kultur und Wissenschaft

Segway Führungen:                          

Termine von 20. Juni bis 9. Oktober auf Anfrage
Dauer: 2,5 Stunden inkl. Einweisung und Training
Kosten: 55 € pro Person inkl. Haftpflichtversicherung und Leihhelm
Veranstalter: 6-way®  Segway Touren

Außerdem werden Kahn- und Floßfahrten entlang des Lichtparcours angeboten. Mehr Informationen über Routen, Abfahrtszeiten und -orte sind auf https://www.braunschweig.de/lichtparcours2020/veranstaltungen/ verfügbar. Diese Webseite gibt auch Auskunft darüber, wo die Fahren gebucht werden können. 

Bei allen Leistungen, die die Braunschweig Stadtmarketing GmbH anbietet oder vermittelt, werden die aktuellen Vorschriften zum Umgang mit der Corona-Pandemie eingehalten. Das gilt insbesondere für Gruppengrößen und Abstandsregelungen.

Alle Führungen sind unter https://www.braunschweig.de/angebote-lichtparcours buchbar. Dort sind zudem weitere Informationen zum 5. Lichtparcours und zum Führungsangebot zu finden. Tickets sind außerdem in der Touristinfo der Braunschweig Stadtmarketing GmbH, Kleine Burg 14, erhältlich.

Und welches ist Ihr Lieblingskunstwerk auf dem Lichtparcours 2020? Verraten Sie es in den Kommentaren!

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