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Klosterkirche Riddagshausen – ein traumhafter Ort zum Heiraten

  • Datum: 10. Juni 2019
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Blick auf die Klosterkirche Riddagshausen (Bildrechte: Beate Ziehres)
Foto von Beate Ziehres
Beate Ziehres
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In der Klosterkirche Riddagshausen herrscht von Juni bis September Hochsaison. Bis zu drei Paare geben sich hier an Sommersamstagen das Ja-Wort. Deshalb schätze ich mich glücklich, dass Pfarrer Bernhard Knoblauch in der Woche vor Pfingsten Zeit für ein Gespräch hat.

Schon an der Gartenpforte macht ein Schild den Besucher darauf aufmerksam, dass die Klosterkirche Riddagshausen ZeitOrt ist – einer von 100 in der Region Braunchweig-Wolfsburg. Dann empfängt mich schon Pfarrer Knoblauch an diesem ganz besonderen Ort.

Das imposante Gotteshaus – gebaut von 1216 bis 1275 – ist Braunschweigs Wochenend-Dom im Grünen. Jetzt fallen die Sonnenstrahlen durch hohe Bäume auf ein paar verwitterte Grabsteine vor dem mächtigen Portal in der Westseite. Hier ist alles still, nur die Vögel zwitschern, und ich kann verstehen, warum Riddagshausen für viele Braunschweiger ein Sehnsuchtsort ist.

Blick durch die Pforte der Klosterkirche
Blick durch die Pforte der Klosterkirche (Foto: Beate Ziehres)

An die Riddagshäuser Teiche fährt man mit Oma und Opa als Sonntagsausflug. Im Winter vergnügen sich Kinder und Jugendliche mit Schlittschuhen auf dem Eis. Und die Frischverliebten treffen sich in Riddagshausen zum Spazierengehen. Was liegt da näher, als in der Klosterkirche St. Mariae zu heiraten?

Noch dazu wo Pfarrer Knoblauch mit Leidenschaft traut. „Die Trauung soll die Besonderheit eines jeden Paares ganz individuell hervorheben“, erklärt er mir seinen Anspruch. In Riddagshausen ist noch alles handgemacht. Den Freiraum, den Rituale und Standards lassen, nutzt Bernhard Knoblauch. Aber er macht auch klar, dass es Grenzen gibt bei der Erfüllung von Wünschen. Das Brautpaar selbst und die Vorstellungen der künftigen Eheleute lernt der Pfarrer während eines langen Vorbereitungsgesprächs kennen.

Pfarrer Bernhard Knoblauch an seinem Lieblingsplatz im Klostergarten
Pfarrer Bernhard Knoblauch an seinem Lieblingsplatz im Klostergarten (Foto: Beate Ziehres)

In einer Zeit, in der die Menschen anlassbezogen in den modernen Medien den Kontakt zur Kirche suchen, präsentiert sich die Klosterkirche professionell. Über die informative und ansprechende Webseite https://www.klosterkirche-riddagshausen.de/home von St. Mariae Riddagshausen landen die Interessenten für Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen schnell im Büro. Und das in einem der ältesten gotischen Bauwerke Deutschlands!

Die Klosterkirche Riddagshausen

Nicht nur der Standort der Kirche, auch das Bauwerk ist besonders prädestiniert für den wohl schönsten Tag im Leben eines Paares. „Hier hat man den längsten Einzug der Region“, schmunzelt Pfarrer Knoblauch, als wir durchs Portal getreten sind. Bei einer Außenlänge von 96 Metern bleibt auch im Inneren genug Raum für einen prachtvollen Auftritt: Einem virtuellen Brautpaar folgend schwebe ich als Brautjungfer durch das Hauptschiff den Mittelgang entlang, gleite links am Altartisch vorbei und  durch den hölzernen Lettner. Über allem liegt das klare Jubeln der Orgel.

Im Ernstfall hätten hinter dem Lettner schon die Gäste Platz genommen und der Chor hätte sich ebenfalls schon aufgebaut. Vorne auf dem Altar stehen zwei Traustühle für das Hochzeitspaar. In diesem vergleichsweise kleinen Raum hinter dem Lettner gibt es immerhin noch 200 Sitzplätze.

„Diese Kirche ist nach einem klaren, theologischen Konzept errichtet“, erklärt Pfarrer Knoblauch und fängt an zu singen. Sofort füllt seine Stimme die ganze Kirche – eine der größten ihrer Art in der Region, die immerhin 1800 Menschen aufnehmen kann. „Dies war nie eine Gemeindekirche, sondern die Kirche eines Zisterzienser-Männerklosters. Sie ist gebaut für gregorianische Gesänge, die zu Gott aufsteigen sollen. Die Mönche haben damals Gott zur Ehre gebaut“, sagt er.

Nichts habe die Konzentration auf das eigene Sein und auf die Geschehnisse im Gotteshaus abgelenkt, so Pfarrer Knoblauch. Keine Ornamentik, keine Farben und keine Fenster in Sichthöhe, die den Blick nach außen hätten ziehen können. „Dies ist ein Raum, der qua Architektur gut tut.“

Er betrachtet es mit als seine Mission, den Besuchern die Besonderheit und den spirituellen Hintergrund des Orts nahezubringen. „Es ist ein Ort der Entschleunigung und lebendigen Glaubens.“ Die eigentliche Gemeinde, sagt Pfarrer Knoblauch, das seien heute die Leute, die aus irgendeinem Grund hierher kommen.

Klosterkirche und Zisterziensermuseum sind zeitORTE-Partner in der Epoche Mittelalter & Renaissance

Der Klostergarten

Wir treten hinaus aus dem Gotteshaus in den sonnendurchfluteten Garten und gehen über die Wiese, wie ungezählte Brautpaare vor uns. Die Hochzeitsgesellschaften nutzen das wunderschöne Ambiente, um Bilder zu machen, auf dass der Zauber des Tags niemals in Vergessenheit gerate. Genau das ist auch mein Ansinnen. Und obwohl heute keine Hochzeit stattfindet, sind wir nicht alleine im Garten.

Einige Besucher schlendern auf den Wegen zwischen den Hochbeeten, schauen welche Kräuter hier gedeihen und schnuppern auch einmal an den frischen Blättchen. Um die Hochbeete, die hier nach dem Vorbild des Zisterzienser-Gartens angelegt und auch mit traditionell genutzten Gemüsearten bepflanzt wurden, kümmern sich Kulturpaten. Den Hut im Garten hat Burkhard Bohne auf, im normalen Leben Leiter des Arzneipflanzengartens der TU Braunschweig.

Man sieht Kräuterhochbeete im Klostergarten
Kräuterhochbeete im Klostergarten (Foto: Beate Ziehres)

Doch hier gibt es nicht nur Kräuter- und Gemüsebeete, auch eine Apfelbaum-Allee ist zu erkennen. „Allesamt alte Sorten“, sagt Pfarrer Knoblauch fügt schmunzelnd hinzu, dass Äpfel klauen im Klostergarten erlaubt ist.

Wir durchqueren den ganzen Garten und kommen zu Pfarrer Knoblauchs Lieblingsplatz: eine Bank am südöstlichen Ende, die jetzt in der wärmenden Sonne steht. Von hier aus ist der Blick auf die Kirche besonders schön, findet er. Auch Brautpaare lassen sich gerne an dieser romantischen Stelle fotografieren.

Durch die Blume: Blick von Pfarrer Knoblauchs Lieblingsbank zur Klosterkirche
Durch die Blume: Blick von Pfarrer Knoblauchs Lieblingsbank zur Klosterkirche (Foto: Beate Ziehres)

An der Siechenkapelle – einem der letzten noch erhaltenen Klostergebäude – vorbei kommen wir zu einem besonderen Themengarten: dem Garten der Liebe und des Eheglücks. Hier wachsen Dill und Efeu, Frauenmantel, Lavendel, Minze, Nelke und Weinraute – allesamt Kräuter, die für ein glückliches und langes Eheleben sorgen sollen.

An der Südseite der Kirchenaußenmauer sind auch noch Verbindungssteine zum früheren Kreuzgang zu sehen. Der Kreuzgang wurde ebenso wie der riesige Komplex des Zisterzienserklosters irgendwann im 19. Jahrhundert abgetragen. Wie damals üblich wurden die Steine für den Bau anderer Häuser verwendet.

Übrigens: Noch bis ins 19. Jahrhundert gab es in Riddagshausen einen Abt. Er war Geistlicher des Predigerseminars, das nach der Reformation im ausgehenden 16. Jahrhundert in den Gebäuden des Klosters gegründet wurde. Es war das erste und älteste seiner Art.

Der Garten der Liebe und des Eheglücks
Der Garten der Liebe und des Eheglücks (Foto: Beate Ziehres)

Die Klostergärtnerei

Doch zurück in die Gegenwart, zurück zu den Paaren, die sich in der Klosterkirche das Ja-Wort geben. Nach der Trauung und den Strapazen einer Fotosession regen sich bei den Hochzeitsgesellschaften meistens Hunger oder zumindest Durst. Kluge Brautleute planen deshalb einen Sektempfang in der Klostergärtnerei ein.

Die Klostergärtnerei schließt direkt an den Garten und das Grün um die Kirche herum an. Ein schöner Fußweg führt durch eine Pforte und vorbei an Gemüsebeeten zum Hof der Gärtnerei oder ins Gewächshaus. Unabhängig vom Wetter ist die Klostergärtnerei eine beliebte Location, um die Zeit bis zur Feier zu verbringen.

Neben Petersilien- und Liebstöckelstauden treffe ich Olaf Redlin, den Standortleiter Klostergärtnerei. Er ist Mitarbeiter von Mehrwerk, einer Tochtergesellschaft der Neuerkerode Holding. Mehrwerk betreibt die Klostergärtnerei mit etwa 30 Menschen mit Behinderung. Kräuter- und Gemüsearten werden hier nach ökologischen Richtlinien  aus Samen kultiviert. Die Produkte können direkt im Hofverkauf erworben werden.

Zwischen Kräuter- und Blumenständen bauen die Mitarbeiter bei schönem Wetter Stehtische oder Sitzgelegenheiten auf – ganz nach Wunsch des Brautpaares. Bei schlechtem Wetter kann der Empfang im Gewächshaus der Gärtnerei stattfinden, einem Ort mit ganz eigenem Charme. Auch die Bewirtung richtet sich nach dem Geschmack des Hochzeitspaares. Sekt, Häppchen, Buffet, Bedienung, Musik? „Alles ist möglich, nichts muss“, erklärt Olaf Redlin die Philosophie von Mehrwerk.

Das Zisterziensermuseum

Bevor ich mich von Pfarrer Knoblauch verabschiede, macht er mich noch auf das Zisterziensermuseum im Torhaus aufmerksam. Museumsleiterin Griseldis Knisch gilt als Kapazität auf dem Gebiet der Zisterzienserkultur. Im Torhaus als Bestandteil des historischen Klosterkomplexes ist die Geschichte des Zisterzienserordens von seinen Anfängen bis heute dokumentiert. Viele kostbare Original-Ausstellungsstücke unterstreichen die Bedeutung des Ordens.

Das Zisterziensermuseum hat samstags und sonntags von 12 bis 17 Uhr geöffnet. So lädt es auch Hochzeitsgesellschaften zu einem Besuch ein.

Blick auf das Zisterziensermuseum im Torhaus
Zisterziensermuseum im Torhaus (Foto: Beate Ziehres)

Heiraten im Kloster Riddagshausen: Das gilt es zu beachten

Wer jetzt Lust bekommen hat, sich im Kloster Riddagshausen trauen zu lassen, sollte etwas vorausschauend planen. Termine für die Sommermonate Juni bis September werden gerne auch mal zwei Jahre im Voraus vergeben. Für andere Jahreszeiten ist es üblich, sich ein Jahr vorher zur Terminabstimmung zu melden.

Klosterkirche u. Zisterziensermuseum Riddagshausen

Klostergang 65
38104 Braunschweig