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Bald klappern sie wieder: Das Mühlenmuseum in Gifhorn wird fit für den Frühling

  • Datum: 13. März 2019
  • Kommentare: 1
 (Bildrechte: Beate Ziehres)
Foto von Beate Ziehres
Beate Ziehres
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Noch ist der Hügel, auf dem die griechische Windmühle „Irini“ steht, grau und steinig. Die Agaven sind in ihrem Winterquartier. Das Internationale Mühlenmuseum in Gifhorn hat Winterpause, die Wege sind verlassen. Doch der Start in die neue Saison steht unmittelbar bevor. Ab 15. März drehen sich in Gifhorn die Mühlenräder wieder.

Die Mitarbeiter des Museums bringen die Agaven an die frische Luft, sobald sich dauerhaft frostfreies Wetter ankündigt. Sie werden die Wege fegen oder harken, kleine Reparaturarbeiten ausführen, Büsche beschneiden und blühende Blumen einpflanzen.

Man sieht die mediterranen Mühlen an einem Winternachmittag.
Winternachmittag bei den mediterranen Mühlen. (Foto: Beate Ziehres)

Auch die sechs Galloway-Rinder, die den vergangenen Sommer auf der Wiese zwischen den Wassermühlen und der Ise verbrachten, sind noch im heimischen Stall in Wittingen. Wenn das Gras gewachsen ist, wird Diethelm Lillie die Galloway-Rinder wieder nach Gifhorn bringen.

Philipp Oppermann freut sich schon auf die vierbeinigen Dauergäste im Museum. „In den ersten Tagen waren sie etwas zurückhaltend. Aber sie sind schnell zutraulich geworden und an den Zaun gekommen, wenn sie Menschenstimmen gehört haben“, erinnert er sich. Bei meinem Besuch im Mühlenmuseum ist es jedoch noch still. Die Mühlen klappern nicht, das Wasser rauscht nicht den Mühlenbach herunter und wir sind scheinbar alleine unterwegs.   

Die Weide der Galloway-Rinder ist noch verwaist.
Die Weide der Galloway-Rinder ist noch verwaist. (Foto: Beate Ziehres)

Als stellvertretender Museumsleiter arbeitet Philipp Oppermann natürlich auch im Winter.

Im Büro, das er sich mit Museumsgründer Horst Wrobel teilt, ist von Gemächlichkeit nichts zu spüren. Während unseres Gesprächs läuten in regelmäßigen Abständen diverse Telefone.  

Auch auf dem Außengelände und im Museumsgebäude macht sich in den letzten Tagen vor dem Start in die Saison Betriebsamkeit breit: Die mechanischen Bauteile der Mühlen müssen geölt werden, damit alles reibungslos funktioniert. Vielerorts wird man in diesen Tagen Mitarbeiter mit Pinsel und Farbe antreffen oder auch nur mit dem Staubwedel. Schließlich ist auch ein Museum nicht vor Witterungseinflüssen und dem Verstauben gefeit.

Philipp Oppermann an der Donau-Schiffsmühle

„Stellen Sie es sich vor wie einen ganz normalen Frühjahrsputz, nur in größerem Maßstab“, schmunzelt Philipp Oppermann. Bevor die ersten Besucher durch die Ausstellung schlendern, werden alle Gerätschaften abgestaubt und die Fenster geputzt. Mit dem Saisonstart beginnt jedoch eine weitaus geschäftigere Zeit für die Mitarbeiter des Museums: Jeden Morgen werden beispielsweise die weißen Segel der portugiesischen Mühle „Anabela“ aufgezogen und die Mühle in den Wind gedreht. Dreht sich tagsüber der Wind, muss die Kuppe der Mühle von Hand ausgerichtet werden. Das gleiche gilt für die große Sanssouci-Mühle. Mit einer hölzernen Vorrichtung, dem Steert, wird sie in Handarbeit von einer Arbeitsgalerie aus in den Wind gedreht. Die mehr als 150 Jahre alte Bergholländer-Mühle Immanuel verfügt schon über eine Windrose, mit deren Hilfe sich die Flügel automatisch nach dem Wind richten.

Die Bergholländer-Mühle Immanuel im Abendlicht.
Die Bergholländer-Mühle Immanuel im Abendlicht. (Foto: Beate Ziehres)

Was passiert, wenn der Wind im Laufe des Tages auffrischt, frage ich Philipp Oppermann „Dann wird jeder einzelne Flügel nach unten geholt, die Mühle angehalten und die Segel eingeholt“, erklärt er. Ich erfahre, dass viel experimentiert wurde, um die Arbeit der Müller mit den ältesten Maschinen der Menschheit zu erleichtern. So wurden schon Ende des 18. Jahrhunderts Jalousien-Flügel eingeführt, die es erlauben, die Geschwindigkeit bei laufender Mühle zu regulieren. Ende des 19. Jahrhunderts war die Technik so weit fortgeschritten, dass Jalousien-Flügel automatisch die optimale Geschwindigkeit zum Mahlen halten konnten.

Damit sich die Mühlen drehen, sind jedoch weitere Arbeiten notwendig, die ich nicht in diesem Zusammenhang vermutet hätte. „Wenn Bäume in der Umgebung der Mühle den Wind brechen, dreht sie sich nicht konstant“, sagt Philipp Oppermann. Zu den Aufgaben der Museumsmitarbeiter gehört also auch, die Bäume in Zaum zu halten. Außerdem muss das Gras gemäht, die Pflanzen müssen gegossen und die Tiere mit Wasser versorgt werden.

Zu den ehrenvollsten Arbeiten eines Museumsmitarbeiters zählt jedoch mit Sicherheit das Mahlen. Jeden Samstag und Sonntag zwischen 12 und 16 Uhr ist die Tiroler Wassermühle in Betrieb.

Der Vorteil der 300 Jahre alten Wassermühle, die von einem Bergbauernhof stammt: Sie mahlt witterungsunabhängig. „Mit der Zeit sammelt man seine Erfahrungen mit dem Mahlwerk. Es muss während des Betriebs immer wieder nachjustiert werden“, so Philipp Oppermann. In einem Durchgang entsteht hier aus Roggen Mehl, Gries und Schrot. 16 Durchläufe sind nötig, um alle Körner zu Vollkornmehl zu verarbeiten. Mit jedem Durchlauf wird der Abstand zwischen den Mahlsteinen verringert.

„Die Stimmung im Mühlengebäude muss man wirklich erlebt haben, wenn gemahlen wird: die Geräusche, der Geruch, der Staub, das Wasser rauscht und die Steine drehen sich. Da wird erlebbar, was das Lied ‚Es klappert die Mühle ...’ beschreibt. Es klappert nicht das Mühlrad, sondern der Beutelkasten und der Rüttelschuh, der das Getreide vom Trichter in den Mahlgang befördert. Das Gebäude lebt“, schwärmt Philipp Oppermann.

Beim Fotorundgang zwischen mediterranen Mühlen, Backhaus und russisch-orthodoxer Holzkirche begegnen wir Horst Wrobel. Auch er genießt die klare Kälte des Nachmittags und die winterliche Ruhe. Die Mühlensammlung, das Museum, der Glockenpalast – das ist Horst Wrobels Lebenswerk und seine Leidenschaft.

Eine Begegnung mit Müllermeister Erich Röhl, der Tag und Nacht in seiner alten Bockwindmühle in Abbenrode am Elm (Landkreis Wolfenbüttel) arbeitete, weckte Horst Wrobels Interesse. Das war 1965. Die Idee, die alte Bockwindmühle als Modell zu bauen, ließ ihn nicht mehr los. Sein erstes Modell gelang so gut, dass es nicht das einzige bleiben sollte. Er wollte mehr erfahren „über alles, was mit Windmühlen zu tun hatte“. Horst Wrobel fuhr über das Land, fotografierte und sammelte Material. 1974 hatte er so viele Mühlenmodelle gebaut, dass er in einem Heidedorf bei Uelzen ein Museum eröffnete. Nach sechs Jahren siedelte das noch kleine Museum nach Gifhorn um.

Heute umfasst das Internationale Mühlenmuseum – einer von 100 zeitORTEN in der Region Braunschweig-Wolfsburg und stellvertretend für die Epoche Industrialisierung & Moderne – 15 originale oder originalgetreu nachgebaute Mühlen aus aller Welt, eine niedersächsische Dorfanlage und Horst Wrobels riesige Sammlung von Mühlenmodellen. Wie das 40-jährige Bestehen des Mühlenmuseums im kommenden Jahr gefeiert wird, verrät Horst Wrobel bei unserer Begegnung auf dem Dorfplatz noch nicht. Fest steht allerdings: Die Planungen laufen schon.

1 Kommentar

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Familie Nillius hat geschrieben

Vielen Dank für die schöne Zeit im Mühlenmuseum. Wir waren hier mit dem Wohnmobil auf dem Platz an der Allerwelle und haben uns hier in Gifhorn sehr wohl gefühlt.

Weiterhin noch viele begeisterte Gäste, die wie wir bestimmt von der ganzen Anlage überrascht sind.

Wir sind 3 Rumtreiber mit dem Wohnmobil aus Koblenz

Internationales Wind- und Wassermühlen-Museum