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Auf Zeitreise im Planetarium Wolfsburg: So stehen die Sterne 2020

  • Datum: 29. Dezember 2019
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Eindrucksvoll, einprägsam, bunt: So bleibt das im Planetarium Gelernte in Erinnerung. (Bildrechte: Beate Ziehres)
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Beate Ziehres
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Isabell Schaffer kann in die Zukunft sehen. Die Astrophysikerin ist DIE Ansprechpartnerin in der Region, wenn es um die Frage geht, wie die Sterne stehen. Sie kann jedoch nicht nur Aussagen darüber treffen, was sich zukünftig am Himmel abspielen wird. Im Planetarium Wolfsburg – einem von 100 zeitORTEn in der Region Braunschweig-Wolfsburg – zeigt sie den Besuchern bei Interesse auch, wie die Sterne vor mehr als 2000 Jahren standen.

Wen das interessiert? Mich schon, nachdem Isabell Schaffer mich mit nur wenigen Worten neugierig gemacht hat. Ich treffe die wissenschaftliche Leiterin des Planetariums Wolfsburg eigentlich, um zu erfahren, wie die Sterne in 2020 stehen. Und da kommt sie unversehens auf den Stern von Bethlehem zu sprechen. Den Stern, der die Weisen aus dem Morgenland zum neugeborenen Jesus Christus führte.

Isabell Schaffer mit dem Spacemaster, dem ersten Sternprojektor des Planetariums.
Isabell Schaffer mit dem Spacemaster, dem ersten Sternprojektor des Planetariums. (Foto: Beate Ziehres)

Ok, das sind Legenden aus alten Büchern und Weihnachten ist durch, mag jetzt mancher denken. Doch der Stern von Bethlehem ist 2020 ein topaktuelles Thema, denn ein ähnliches astronomisches Phänomen wird am 21. Dezember und in den Tagen davor und danach wieder zu sehen sein.

Himmelsspektakel zur Wintersonnwende 2020

Isabell Schaffer spricht vom Stern von Bethlehem als größtmögliche Konjunktion (Begegnung) der Planeten Saturn und Jupiter im Sternbild Fische. Das klingt hochwissenschaftlich. Noch komplexer allerdings sind die Theorien, mit denen Astronomen und Astronomie-Historiker seit Jahrhunderten versuchen zu klären, was die Sterndeuter damals nach Judäa führte, um einem neugeborenen König zu huldigen.

Im Jahr 2020 können wir am Tag der Wintersonnwende Zeuge einer großen Konjunktion von Saturn und Jupiter im Sternbild Steinbock werden. „Das ist schon ein außergewöhnliches und seltenes Planetenereignis“, sagt Isabell Schaffer und verweist auf das 23. Jahrhundert. Dann findet wieder – wie möglicherwiese um Christi Geburt – eine größtmögliche Konjunktion der beiden Planeten statt. Es ist aber unwahrscheinlich, dass einer von uns dieses Ereignis erleben wird.

Weitere Infos zum Planetarium Wolfsburg

Zeitreisen im Planetarium Wolfsburg

Fest steht jedoch: Im Planetarium können die Besucher ohne Hokuspokus zu Zeitreisen in die Zukunft und in die Vergangenheit aufbrechen. Den Himmel aus den Jahren um Christi Geburt kann Isabell Schaffer ohne Probleme präsentieren. Zurücklegen, Licht aus, Handy aus, und los geht die Reise ins Universum!

Mit einem Klick lässt Isabell Schaffer die Dunkelheit einbrechen.
Mit einem Klick lässt Isabell Schaffer die Dunkelheit einbrechen. (Foto: Beate Ziehres)

Isabell Schaffer hat am Vorführpult Platz genommen, das mich ein kleines bisschen an die Kommandozentrale eines Raumschiffs erinnert. Von hier aus steuert sie die beiden Universen, die ihr als Arbeitsmittel zur Verfügung stehen.

Isabell Schaffer an ihrem Arbeitsplatz.
Isabell Schaffer an ihrem Arbeitsplatz. (Foto: Beate Ziehres)

Nur die Handys der Besucher kann sie (noch) nicht ausschalten. Mit Hilfe der mitgebrachten Smartphones demonstriert die Astrophysikerin allerdings eindrucksvoll sogenannten Lichtsmog. Mit eigenen Augen sehen die Besucher in ihren Sitzen, wie die Sterne am Himmel und die Milchstraße verschwinden, wenn sie auf Anweisung die kleinen Bildschirme aus dem Ruhemodus erwecken.

Doch nun muss ich auf die beiden Universen des Planetariums zu sprechen kommen. Das klingt witzig, macht aber durchaus Sinn, wenn – wie bei meinem Besuch – eines der Universen „etwas Zuwendung braucht“, wie Eileen Pollex, im Planetarium für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, es ausdrückt.

Der Trend geht zum Zweituniversum

Will heißen, der gigantische, analoge Sterneprojektor im Zentrum des Kuppelsaals versagt an diesem Tag den Dienst. Der „Starmaster“ wurde 1996 gebaut und war das erste Exemplar einer neuen Generation von Carl-Zeiss-Projektoren. Eileen Pollex und Isabell Schaffer sehen dem Veteranen die kleine Unzuverlässigkeit nach. Sie sind froh, dass sie ihn haben.

„Der Starmaster zeigt den naturgetreueren Sternenhimmel. Vor allem die Strahlkraft der Sterne kann analog besser dargestellt werden“, sagt Eileen Pollex. Mittels Glasfasertechnik erscheinen mehr als 9500 Sterne als strahlende, funkelnde Lichtpunkte in der Sternenkuppel.

Das zweite Universum des Planetariums Wolfsburg besteht aus sechs Projektoren, die digitale Inhalte kuppelfüllend wiedergeben. Als die Fulldome-Projektionstechnik, die mit dem Starmaster synchronisiert werden kann, 2010 eingeführt wurde, war das Planetarium das weltweit erste, das über diese Technik verfügte.

Doch zurück ins Jahr 2020. Die astronomischen Ereignisse des neuen Jahres werfen schon heute lange Schatten voraus. Die Rede ist von der besonderen Annäherung des Mars‘, unseres nächsten Nachbarn im Sonnensystem, zur Erde.

Günstiger Moment für Mars-Missionen

Am 13. Oktober wird der sogenannte rote Planet nur 62,1 Millionen Kilometer von uns entfernt sein. Der maximale Abstand zur Erde beträgt immerhin 107 Millionen Kilometer. „Man wird ihn auf jeden Fall als auffällig hell und orange wahrnehmen“, verspricht Isabell Schaffer. In der Nähe des Horizonts erscheine Mars manchmal sogar flammend rot.

Den günstigen Zeitpunkt nutzen die Forscher, um insgesamt vier Mars-Missionen zu starten, die seit langem vorbereitet werden. Die europäische Weltraumbehörde ESA wird in Zusammenarbeit mit der russischen Weltraumagentur Roskosmos einen Rover auf dem Mars absetzen. Die Mission sucht nach ehemaligem oder aktuellem Leben auf dem Mars. Auch die NASA und die Volksrepublik China wollen Rover auf den Boden des roten Planeten zu schicken, während sich die Vereinigten Arabischen Emirate der Erforschung der Atmosphäre widmen. „Im Prinzip haben alle Missionen das Ziel, Spuren von Leben zu finden“, sagt Isabell Schaffer.

Ich bin an diesem Abend Gast bei einem Astronomischen Live-Programm. Kurz vor der Vorstellung sucht Isabell Schaffer Bilder aus dem NASA-Archiv aus. Was sie sagen will, hat sie schon im Kopf. „Ich muss nur aufpassen, dass ich mich nicht verquatsche wie Thomas Gottschalk“, scherzt die Physikerin. Schon früh interessierte sich die wissenschaftliche Leiterin des Planetariums für Astronomie. Deshalb war ein Physik-Studium für sie naheliegend.

Isabell Schaffer hat einen meditativen Einstieg ins Live-Programm ausgewählt.
Isabell Schaffer hat einen meditativen Einstieg ins Live-Programm ausgewählt. (Foto: Beate Ziehres)

Heute versucht sie, auch Kinder und Jugendliche für die kosmischen Welten zu begeistern oder zumindest das Interesse zu wecken. „In den alten Bundesländern ist Astronomie in den Schulen leider kein Thema. Das war in der DDR anders“, weiß sie.

Eindrucksvoll, einprägsam, bunt: So bleibt das im Planetarium Gelernte in Erinnerung.
Eindrucksvoll, einprägsam, bunt: So bleibt das im Planetarium Gelernte in Erinnerung. (Foto: Beate Ziehres)

Stadt verdankt Planetarium einem VW-Deal mit der DDR

Der DDR begegne ich auch beim Stöbern in der Geschichte des Planetariums Wolfsburg. Denn die Einrichtung ist einem Vertrag zwischen Volkswagen und der DDR zu verdanken. 1978 lieferte VW 10.000 Golf in die DDR. Dafür bekam das Unternehmen unter anderem den Planetariumsprojektor „Spacemaster“, gebaut vom VEB Carl Zeiss Jena, und den Rohbau des Planetariums. Noch im gleichen Jahr schenkte Volkswagen der Stadt Wolfsburg das Planetarium zum 40. Geburtstag.

Mit diesem Spacemaster startete das Planetarium im Jahr 1983.
Mit diesem Spacemaster startete das Planetarium im Jahr 1983. (Foto: Beate Ziehres)

Heute finden im Planetarium bis zu sieben Vorstellungen täglich statt. Zum Programm zählen wissenschaftliche Vorträge, Astronomische Programme, der Kinderkosmos, Einführungen in die Astronomie für Kindertagesstätten und Schulen, Live-Sternenshows, Konzerte, Lesungen und Musikshows.

Die Kleinen lernen auf den Spuren des Kleinen Eisbären Lars nicht nur astronomische Grundlagen kennen, sondern sehen auch eindrucksvolle Bilder aus der Arktis. Und den Erwachsenen sei hier eine Live-Sternenshow anlässlich des internationalen Frauentags im März empfohlen: „3 Wissenschaftlerinnen, 3 Geschichten“ lautet der Titel. Drei Wissenschaftlerinnen des Planetariums erzählen von drei großen Frauen und Persönlichkeiten der Weltgeschichte, die um die Anerkennung ihrer Leistungen kämpfen mussten. Bei beiden Veranstaltungen kommt der Sternenprojektor zum Einsatz.

Für die Planung des nächsten Familienausflugs: Hier geht es zum Programm des Planetariums Wolfsburg.

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Planetarium Wolfsburg

Uhlandweg 2
38440 Wolfsburg