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Das Heeseberg-Museum – Gesammeltes aus der Vergangenheit

  • Datum: 30. April 2022
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Haushaltsgeräte aus früheren Zeiten: Hier betätigt Matin Meier einen Vorgänger von Wäscheschleudern.  (Bildrechte: Beate Ziehres)
Foto von Beate Ziehres
Beate Ziehres
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Ältere Besucher fühlen sich in ihre Kindheit zurückversetzt, die jüngeren finden den Einfallsreichtum der Vorfahren oft cool. Mir geht es ähnlich bei meinem ersten Besuch im Heeseberg-Museum in Watenstedt. Insbesondere in der Küche des Gesindehauses erinnern mich Butterfass, Waage und Kaffeemühlen an die Wohnung meines Vaters. Er hielt die Haushaltsgegenstände seiner Eltern, zahlreicher Tanten und Großeltern liebevoll in Ehren.

Küche aus den 1930er-Jahren im Gesindehaus des Heeseberg-Museums.
Küche aus den 1930er-Jahren im Gesindehaus des Heeseberg-Museums. (Foto: Beate Ziehres)

Das Rapsglanzkäferfanggerät hingegen erstaunt mich beispielsweise sehr. Abgesehen davon, dass ich von der Existenz dieses Käfers bis dato noch nichts gehört hatte, hätte ich spontan erwartet, dass man die Insekten von Hand absammelte wie die Kartoffelkäfer. Aber nein. Findige Menschen haben zu diesem Zweck schon früh eine Maschine entwickelt. Das Monstrum mit großen Schalen parkt neben Lanz-Bulldog und Raupenschlepper in der Scheune des Vierseithofs, in dem das Heeseberg-Museum untergebracht ist.

Das Rapsglanzkäferfanggerät in der Scheune.
Das Rapsglanzkäferfanggerät in der Scheune. (Foto: Beate Ziehres)

Von Gegenständen, die in ganz Deutschland und vielleicht darüber hinaus in der gleichen Form zum Einsatz kamen einmal abgesehen bietet das Heeseberg-Museum Regionalgeschichte par Excellence. So widmet sich die Ausstellung in einem Raum des denkmalgeschützten Bauernhauses aus dem Jahr 1850 der Zuckergewinnung.

 

Regionalgeschichte: Lebensmittel Zucker

Die Zuckerrübe war früher auf den Äckern rund um den Heeseberg im Süden des Landkreises Helmstedt weit verbreitet. „In jedem Dorf gab es eine Zuckerfabrik“, erklärt Martin Meier, der mich durch das Museum führt. Wie zum Beweis präsentiert der stellvertretende Vorsitzende des Förderkreises „Heeseberg-Museum“ e. V. ein Ölgemälde, auf dem eine stattliche Fabrikanlage mit dem typischen rauchenden Schornstein zu sehen ist: die Zuckerfabrik Watenstedt. Im Nachbarort Söllingen hingegen wurden die süßen Rüben zu Saft verarbeitet und zu Sirup eingedickt. In der Nachkriegszeit war dieses Produkt beliebt als Brotaufstrich oder Süßmittel.

 

Der Fokus der Sammlung des Heeseberg-Museums liegt auf dem Zeitraum vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Nachkriegszeit. So entzücken mich im sogenannten Kleinen Haus, dem früheren Gesindehaus, eine vollständige Wohnung im Stil der 1930er-Jahre und eine komplett eingerichtete Schuhmacherwerkstatt.

Perfekt ausgerüstet mit allem, was die Bürger der Heeseberg-Region zur Sammlung des Museums beigesteuert haben: das Schlafzimmer im Kleinen Haus.
Perfekt ausgerüstet mit allem, was die Bürger der Heeseberg-Region zur Sammlung des Museums beigesteuert haben: das Schlafzimmer im Kleinen Haus. (Foto: Beate Ziehres)

Exkursion in die Erdgeschichte des Heesebergs....

Im ehemaligen Bauernhaus des Hofs, der bis 1920 bewirtschaftet wurde, geht es in einzelnen Räumen jedoch weiter zurück in die Vergangenheit, viel weiter. Die Ausstellung lädt zu einer Exkursion zum Geopfad Heeseberg im „Geopark Harz   Braunschweiger Land  Ostfalen“ ein. Im Museum werden beispielsweise winzige Kügelchen gezeigt, die sogenannten Ooide. Sie sind die Basis des Rogensteins, einer besonders auffälligen Gesteinsart am Heeseberg.

Geologische Besonderheit des Heesebergs: Ooide sind Bestandteile des Rogensteins.
Geologische Besonderheit des Heesebergs: Ooide sind Bestandteile des Rogensteins. (Foto: Beate Ziehres)

... und in die Bronzezeit

Die Dauerausstellung im Bauernhaus befasst sich auch mit einer archäologischen Sensation: der rund 3000 Jahre alten Hünenburg. Bereits um 1900 fanden Landwirte beim Pflügen in der Nähe von Watenstedt Relikte aus früheren Zeiten. Seit rund 20 Jahren sind Archäologen inzwischen auf dem Areal aktiv. „Erst im Rahmen der Ausgrabungen stellte man fest, welche Ausmaße der bronzezeitliche Herrschaftssitz hatte“, erklärt Martin Meier. In der Ausstellung wird die Hünenburg aufgrund ihrer Bedeutung auch „Troja des Nordens“ genannt.

Leben, lernen und arbeiten in früheren Zeiten

Von diesen Besonderheiten der Heeseberg-Region abgesehen sind Landwirtschaft, altes Handwerk, Haushalt und das Leben in früheren Zeiten die Themen, die das Heeseberg-Museum beleuchtet. Dazu zählt auch das Thema Schule. Denn bevor das Museum in den Hof in der Ringstraße 3 zog, war es in der alten Dorfschule untergebracht.

Haushaltsgeräte aus früheren Zeiten: Martin Meier beim Betätigen einer alten Butterpresse.
Haushaltsgeräte aus früheren Zeiten: Martin Meier beim Betätigen einer alten Butterpresse. (Foto: Beate Ziehres)

Der ehemalige Lehrer Heinrich Kumlehn hatte eine Sammlung angelegt, die auch auf Gegenständen aus dem Schulleben basierte. Dazu zählt eine alte mechanische Rechenmaschine, die Martin Meiers Vater noch nutzte, obwohl es längst elektrische Kalkulatoren gab. Alte Schullandkarten, die im Erdkundeunterricht aufgehängt und ausgerollt wurden, sind ebenfalls im Bestand des Heeseberg-Museums. Martin Meier hat die guten Stücke inzwischen digitalisiert und im neuen Archiv auf dem Dachboden des Museums sicher verwahrt.   

Im ehemaligen Pferdestall ist Anni Buchwalds Tante-Emma-Laden aufgebaut. Neben der Kasse liegt noch das Buch zum Anschreiben und in den Regalen stehen nostalgische Kaffeedosen und Waschpulverpakete. „Anni Buchwald war eine Institution in Watenstedt“, schmunzelt Martin Meier.

Auch Wilhelm Kalbreier war eine Institution am Heeseberg. Seine Schmiede samt Zangen, Hämmern und Amboss hat im Jungrinderstall eine neue Heimat gefunden. Womit wir im Bereich altes Handwerk angekommen sind. Die Flachsspinnerei erwacht ebenso wie die komplett eingerichtete Schusterwerkstatt und die Schauschmiede regelmäßig zum Leben: Traditionell geben sich Handwerker, aber beispielsweise auch Imker und Schafzüchter, im zweijährlichen Rhythmus im April ein Stelldichein in Watenstedt.

Handwerkertage und Trecker-Treffen

In diesem Jahr findet der Handwerkertag pandemiebedingt erst am 28. August statt. Im nächsten Jahr ergeht die Einladung dann hoffentlich wieder an die Fahrer historischer Trecker. Zum ersten Trecker-Treffen des Jahres begrüßen die Organisatoren üblicherweise 60 bis 70 Fahrer mit ihren Oldtimern in Watenstedt.

Trecker-Rarität im Besitz des Heeseberg-Museums: der Deuliewag-Traktor aus 1950.
Trecker-Rarität im Besitz des Heeseberg-Museums: der Deuliewag-Traktor aus 1950. (Foto: Beate Ziehres)

Im September kommt die ältere Generation im Heeseberg-Museum zum plattdeutschen Nachmittag zusammen. Den Abschluss der Museumssaison bildet traditionell der Erntedank-Gottesdienst der Kirchengemeinde Am Großen Bruch. Die Feier klingt mit einer Kaffee- und Kuchenrunde aus, dann verabschiedet sich das Heeseberg-Museum in die Winterpause.

Doch nun stehen erst einmal Frühjahr und Sommer ins Haus. Emsige Mitglieder des Fördervereins bestellen den Garten hinter dem Stall. Hier bauen sie beispielsweise alte Getreidesorten wie Emmer und Buchweizen an – schon alleine, um den jungen Besuchern die Unterschiede zwischen den Getreidearten am praktischen Beispiel erklären zu können.

Das Heeseberg-Museum ist Partner im Netzwerk der zeitORTE

Heeseberg-Museum Watenstedt
Ringstraße 3
38384 Gevensleben

Öffnungszeiten:
Von April bis Oktober an Sonntagen von 14.30 bis 17 Uhr.
Am 1. Mai ist das Museum geöffnet!

Außerhalb dieser Zeiten sind Anmeldungen unter heesebergmuseum@web.de möglich.

www.heeseberg-museum.de

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Museum Heeseberg

Ringstraße 3
38384 Gevensleben