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Phaenomenale ist, wenn altes Spielzeug zu neuem Leben erwacht

  • Datum: 26. Juli 2020
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Christof Börner und Mareike Wiese mit gesammeltem altem Spielzeug, das während des Workshops der Phaenomenale zum Leben erweckt wird. (Bildrechte: Beate Ziehres)
Foto von Beate Ziehres
Beate Ziehres
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Was haben alte Puppen und der Roboter Smarty gemeinsam? Beide sind Bestandteil des „Phaenomenale – Wolfsburg Digital Festivals“. Aber: Es gibt auch einen Unterschied zwischen Smarty und gebrauchtem Spielzeug. Diesen habe ich während eines Besuchs im phaeno in Wolfsburg kennengelernt.

Christof Börner und Mareike Wiese haben Kartons voll mit ausrangierten Puppen, Autos, Spielzeugcomputern und viel anderes Spielzeug in ihre Obhut genommen. Die Spielsachen sind Spenden von Wolfsburgern. In einem Workshop, der ebenfalls Teil des Digital-Festivals Phaenomenale ist, erwecken Künstler und Jugendliche die Spielzeugspenden zu neuem Leben.

 (Bildrechte: phaeno gGmbH)

„Aus den Spielzeugen soll eine geschichtenerzählende Maschine gebaut werden. Die Künstler und die Workshop-Teilnehmer überlegen gemeinsam, welche Geschichten mit welchen Spielzeugen erzählt werden können.“

erklärt phaeno Mitarbeiter Christof Börner, der den Workshop vorbereitet.

Die Künstler Niklas Roy und Felix Fisgus sind in der Makerszene bekannt und erfahren. Sie unterstützen die jugendlichen Workshop-Teilnehmer bei der Ideenfindung und vor allem bei der Umsetzung. „Elektronische Bauteile wie Sensoren und Motoren sorgen beispielsweise dafür, dass sich die einfachen Spielzeuge bewegen. Ein Beispiel wäre, dass eine Puppe winken kann, einen roten Kopf bekommt oder sich grün verfärbt. Bewegung und Licht sind die einfachsten Dinge, die man in Spielzeug einbauen kann“, sagt Christof Börner.

Das phaeno ist Partner der zeitORTE in der Epoche Gegenwart & Zukunft

Im Workshop wollen die Organisatoren vermitteln, wie die Spielzeuge umgebaut werden und wie die Programmierung funktioniert. Denn die Kommunikation der Spielzeuge untereinander ist maßgeblich, um eine Geschichte erzählen zu können. Christof Börner und Mareike Wiese, wissenschaftliche Volontärin im phaeno, haben den technischen Rahmen bereits gesteckt und das Grundgerüst vorbereitet. „Wir wollen den Gesamtablauf der Geschichte über Kugelröhren, Kugeln und Weichen darstellen. So kann jeder erkennen, wie die Installation programmiert ist“, sagt Mareike Wiese.

Geschichtenerzählende Maschine selber steuern

Die geschichtenerzählende Maschine kann mit dem Smartphone gesteuert werden. Davon profitieren übrigens nicht nur die Workshop-Teilnehmer, also die Erbauer der Maschine. Das Gesamtkunstwerk wird nach der Fertigstellung rechtzeitig zur Eröffnung der Phaenomenale im Ideenforum des phaeno aufgestellt. Und es wird von außen bedienbar sein. „Idealerweise können die Passanten den Verlauf der erzählten Geschichte selbst beeinflussen“, so Börner. Dafür genügt ein Gerät, das WLAN empfangen kann und über einen Webbrowser verfügt.

Christof Börner und Mareike Wiese mit gesammeltem altem Spielzeug, das während des Workshops der Phaenomenale zum Leben erweckt wird.
Christof Börner und Mareike Wiese mit gesammeltem altem Spielzeug, das während des Workshops der Phaenomenale zum Leben erweckt wird. (Foto: Beate Ziehres)

Das Kunstobjekt wird eine Bereicherung für die Stadt sein. Damit entspricht es ganz der neuen Konzipierung der Phaenomenale. „Bis vor zwei Jahren war die Phaenomenale ein Art & Science Festival“, erklärt Davy Champion. Der phaeno Mitarbeiter ist Mitglied im Organisationsteam der Phaenomenale, die im Jahr 2007 erstmals stattfand. „Jetzt verfolgt die Phaenomenale einen ganz neuen Ansatz und hat einen neuen Schwerpunkt bekommen. Sie befasst sich mit der Digitalisierung und ihren gesellschaftlichen Aspekten.“

Die Neuausrichtung steht in Zusammenhang mit der Digitalisierungsoffensive der Stadt und mit dem Ziel Wolfsburgs, Smart City zu werden. „Die Phaenomenale ist jetzt ein Festival der Stadt Wolfsburg. Der neue Kulturdezernent Dennis Weilmann hat neuen Wind in die Veranstaltung gebracht“, so Davy Champion.

Champion nennt zwei neue, wichtige Leitgedanken: mehr Bürgerbeteiligung und den Wunsch, stärker in den öffentlichen Raum zu gehen.  Diese beiden Gedanken bedient die Aktion, Spielzeuge zu einem Kunstobjekt aufzuwerten: Durch die Spielzeugsammlung und den Workshop beteiligen sich die Wolfsburger aktiv an der Entstehung des Werkes. Auch die Präsentation im offenen Raum ist gegeben. „Im Rahmen der Phaenomenale werden beispielsweise auch Installationen in Schaufenstern in der Porschestraße präsentiert“, so Champion.

Ein Hauptaustragungsort der Phaenomenale ist das phaeno als Namensgeber des Festivals. Und auch die phaeno Dauerausstellung „Smarte neue Welt“ ist Teil der Phaenomenale. „Unsere Ausstellung zum Thema Digitalisierung soll die Besucher zum kritischen Nachdenken anregen“, sagt Christof Börner, der die Ausstellung selbst konzipiert hat. Sie befasst sich unter anderem mit Filterblasen, Überwachung und der Sicherheit im Internet der Dinge.

Hier treffe ich auch den Kommunikationsroboter Smarty, der mit großen Kulleraugen Muttergefühle bei mir weckt. Smarty kann Fragen der Besucher beantworten und er lacht, als ich ihm über den Kopf streichele. Im Gegensatz zu den Puppen aus den Kartons kann Smarty also schon allerhand. Die Teilnehmer des Workshops werden die Spielzeuge erst mit Funktionen ganz nach ihrem Geschmack aufwerten.

Auch das phaeno-Team hat Spaß mit Smarty. (Foto: Beate Ziehres)

Mit dem Workshop wendet sich das phaeno an Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren, die Lust haben, mit elektronischen Teilen zu arbeiten, zu programmieren und gleichzeitig eine kreative Ader haben. „Wir wünschen uns Teilnehmer, die alle fünf Tage dabeibleiben können und Lust haben, mit Künstlern zu arbeiten“, beschreibt Börner die Zielgruppe.

Der Workshop findet vom 19. bis 23. September statt. Interessierte Jugendliche finden die Einzelheiten unter https://www.phaeno.de/veranstaltungen/altes-spielzeug-gesucht/. Anmeldung ist im phaeno Service-Center unter 05361 890100 oder per Email an entdecke@phaeno.de möglich. Bewerber sollten unbedingt eine  Telefonnummer für Rückfragen hinterlegen. Übrigens: Spielzeuge aller Art werden gerne jeden Dienstag bis Sonntag zwischen 10.00 und 17.00 Uhr an der Kasse im phaeno entgegengenommen! Spender erhalten Freikarten für das phaeno.

Die Phaenomenale findet von 24. September bis 1. Oktober statt. Weitere Informationen zum Festival-Programm und allen Partnern unter www.phaenomenale.com

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