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Die Asseburg – ein Ausflug ins Mittelalter

  • Datum: 19. April 2020
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 (Bildrechte: Beate Ziehres)
Foto von Beate Ziehres
Beate Ziehres
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Schlösser, Burgen, Museen – all diese zeitORTE in der Region Braunschweig-Wolfsburg sind in diesen Tagen wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Alle? Nein! Eine Burg lädt auch in diesen Tagen zu einer Zeitreise in die Vergangenheit ein: die Asseburg.

Die Ruine der Asseburg liegt auf einem Bergkamm mitten im Wald. Von Wittmar aus erreichen Wanderer und Spaziergänger die Burg über die romantische Liebesallee und vorbei am Bismarckturm. Der Bismarckturm wird übrigens im Internet teilweise als Burgfried der Asseburg bezeichnet. Das stimmt nicht. Der Bismarckturm stammt aus einer ganz anderen Epoche und hat eine eigene Geschichte.

Ich bin bei meinem Besuch auf der Asseburg überrascht zu entdecken, wie viel dieser einstmals mächtigen Anlage noch erhalten ist. Schließlich wurde sie im Jahr 1492 von ihren Besitzern selbst in Brand gesteckt. Es heißt, dass sie drei Tage gebrannt hat, bevor sie in Schutt und Asche versank.

Wie konnte es soweit kommen? Was war vorgefallen? Ein Blick in die Bücher und auf die Informationstafel an der Asseburg zeigt, dass die Geschichte der Festungsanlage kurz und wechselhaft war. Obwohl sie nie erobert wurde, gaben sich die Herren hier oben die sprichwörtliche Klinke in die Hand.

Bau unter schlechten Vorzeichen

Alles beginnt im Jahr 1218, als Gunzelin von Wolfenbüttel die Idee hat, auf einem Bergrücken im Süden der Asse einen leicht zu verteidigenden Wohnsitz zu erbauen. Doch schon 1220 gibt es Ärger, denn das Baugrundstück gehört den Bauherren gar nicht. Rechtmäßiger Besitzer des Grundes ist das Reichsstift Gandersheim. Die Äbtissin beschwert sich bei Papst Honorius III. Der Papst legt daraufhin Einspruch ein und verlangt, dass die Burg niedergerissen wird. Doch Gunzelin setzt sich darüber hinweg und treibt den Bau der  Stammburg des Geschlechts Asseburg weiter voran.

Es entsteht ein langgestrecktes Bauwerk, bestehend aus Hauptburg und Vorburg. Unter anderem sorgen Gräben und Wälle dafür, dass die Burg quasi uneinnehmbar ist. Die Hauptburg verfügt über sechs Tore, drei quadratische Türme, einen Keller, Zisterne und Zwinger. Insgesamt wird eine Grundfläche von 7200 Quadratmetern umbaut. Damit ist die Asseburg eine der größten mittelalterlichen Burganlagen Norddeutschlands.

Der Plan zeigt die Hauptburg (I), die Vorburg (II), Gräben und Wälle (III) sowie die Tore (1 bis 6), Türme (a bis c), den Keller (d), die Zisterne (e) und den Zwinger (f). (Foto: Beate Ziehres)

Die prächtige Stammfestung der Asseburger ruft schon bald die Neider auf den Plan. Ein Jahr nach Gunzelins Tod im Jahr 1254 zerstören die Nachkommen Heinrichs des Löwen zuerst die Wasserburg Wolfenbüttel, die ebenfalls zum Besitz Gunzelins zählt. Dann ziehen die Truppen weiter gen Südosten, um die Asseburg zu erobern.

Kampf um die Asseburg

Drei Jahre lang belagern die Herzöge von Braunschweig die Burg erfolglos, obwohl sie sogar zwei Belagerungsburgen errichteten. Im Winter 1258 werden die Asseburger der Zustände müde. Gunzelins Sohn Busso verkauft dem Belagerer, Herzog Albrecht dem Langen, die Asseburg.

Weitere Informationen zur Asseburg

Nun wird die Asseburg Verwaltungszentrum der Herzöge von Braunschweig und zu einem wichtigen Faktor beim Ausbau der herzoglichen Herrschaft über das Land. Ein Vogt zieht in 24 umliegenden Dörfern Steuern und Abgaben ein und hält Gericht.

Im Jahr 1331 geht den Herzögen von Braunschweig das Geld aus. Sie müssen bei der wirtschaftlich florierenden Stadt Braunschweig Kredite aufnehmen. Die Asseburg und die umliegenden Dörfer gehen als Pfand an die Stadt Braunschweig.

Von nun an wechseln der Burgherren häufig. Die Burg ist zeitweise Unterpfand und gelangt so für zwei Jahre sogar wieder in den Besitz der Asseburger. Ab dem Ende des 14. Jahrhunderts sorgen Söldner für die Verteidigung der Burg. Überliefert ist ein Auszug aus der Inventarliste des Jahres 1414. In diesem Jahr standen den auf der Asseburg Stationierten unter anderem neun Armbrüste, eineinhalb Tonnen Pfeile, Pulver, 80 Bleikugeln und 60 Steine zur Verfügung. Zu dieser Zeit ist die Stadt Braunschweig wieder im Besitz der Festung.

Man sieht die Schießscharte, die von der Werhhaftigkeit der Burg zeugt.
Die Schießscharte zeugt von der Wehrhaftigkeit der Burg. (Foto: Beate Ziehres)

Das Ende der Asseburg

1492 kommt es zu einer Fehde zwischen Stadt und Herzog. Mit einem großen Heer zieht Herzog August nach Braunschweig, um die Stadt zu stürmen. Da Braunschweig alle verfügbaren Männer zur Verteidigung der Stadt benötigt, wird auch die Besatzung der Asseburg in die Stadt gebracht. Nur einige Männer bleiben zurück und zünden die Festung an.

Ruine der Asseburg in der Topographia des Merian 1654, von Norden gesehen. (Foto: Beate Ziehres)

Die Ruine der Festung blieb übrigens im Besitz der Stadt Braunschweig. Den Aufforderungen, die Asseburg wieder aufzubauen, kam die Stadt nicht nach. Deshalb kann ich heute hier herumspazieren und mir ausmalen, wie das mittelalterliche Leben auf der Burg ausgesehen hat.

Ach, da lese ich auf der Seite des Heimat- und Verkehrsvereins Asse, dass vor mir prominente Ausflügler die Burgruine im Assewald besucht haben. Für die Royalisten ist es sicherlich interessant: Die Hochzeitsgesellschaft von Prinzessin Elisabeth Christine vom Schloss Salzdahlum und Kronprinz Friedrich von Preußen – der Alte Fritz – picknickte hier am Nachmittag.

Verein lässt Geschichte der Burg erforschen

Der heutige Heimat- und Verkehrsverein Asse in Wittmar engagiert sich schon seit mehr als hundert Jahren, um Licht ins Dunkel der Geschichte der Befestigungsanlage zu bringen. Auch Sicherungs- und Renovierungsarbeiten gehen auf das Konto des Vereins. Mir dämmert, dass die Ruine, die ich bequem begehen kann, mühevoll in diesen Zustand versetzt wurde.

So restaurierte man in den 1980er-Jahren beispielsweise einige Grundmauern. Im südwestlichen Teil wurde ein Tor mit Pförtnerhaus wiederhergestellt. Auch im nordwestlichen Teil der Hauptburg entstanden ein Abschnitt der Umfassungsmauer und ein quadratischer Turm wieder.

Am „Pförtnerhaus“ in der Nähe des Bismarckturms ist die Geschichte der Asseburg auf einer Informationstafel nachzulesen.

Man sieht einen Teil des wiederaufgebauten Torhauses im Südwesten der Burganlage.
Teil des wiederaufgebauten Torhauses im Südwesten der Burganlage. (Foto: Beate Ziehres)

Hinweis: Die Ruine der Asseburg ist auch in diesen Tagen frei zugänglich. Der Hinweis im Internet, dass die Ruine derzeit geschlossen sei, bezieht sich auf den Bismarckturm. Denn beim Besteigen dieses Turms kann der erforderliche Mindestabstand nicht eingehalten werden. Außerdem sind einige Wanderwege und Pfade nordwestlich der Asseburg wegen Waldarbeiten gesperrt. Die Liebesallee ist aber geöffnet.

Aktuelle Informationen finden sich auf der Webseite des Heimat- und Verkehrsvereins Asse https://www.hva-asse.de.

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